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Energiebündel und Familienmensch

Energiebündel und Familienmensch

 

Barbara Wussow im SN-Gespräch / Mit der „Schwester Elke" in der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik" begann die TV-Karriere der Wienerin

SCHLESWIG Was für ein Leben! Am Montag noch auf den Proben zum "Jedermann" im Berliner Dom (Premiere am 20. Oktober), am Dienstag als „Markenbotschafterin" des Modespezialisten Gelco in Schleswig (Modenschau bei I.D.Sievers), am Abend dann endlich wieder in Wien, i-h-r-e-m Wien, um dort die Familie in den Arm zu nehmen - Barbara Wussow ist reichlich auf dem Sprung. Das geht nur gut, wenn man sich immer wieder sehr konzentrieren kann, „Energia!" nennt sie das. Und so sitzt sie denn da, auf ihrem Hocker, im Bekleidungshaus am Stadtweg, und wirkt auf ihre Umgebung, als ob sie immer schon zu den Schleswigerinnen gehört, die zuhauf ringsum Platz genommen haben. SN-Rcdakteur Michael Radtke sprach mit der Schauspielerin über ihr facettenreiches Leben. 

 

Frau Wussow, eigentlich hätte ich die geborene Münchnerin auf dem Oktoberfest und nicht an der Schlei erwartet!

Wussow: Die Institution ist schön, aber mir a bisserl zu voll. Ausserdem bin ich eher Wein- als Biertrinkerin. Vor allem aber freue ich mich, meine Familie wiederzusehen. Und die ist in Wien.

 

Familie ist für Sie ganz wichtig, ja? 

Eindeutig. Als wir im August in Cornwall einen neuen Rosamunde-Pilcher-Film gedreht haben, waren nicht nur mein Mann dabei, sondern auch die beiden Kinder. Eine Art Arbeitsurlaub.

 

Und natürlich hat in Cornwall die Sonne geschienen ...

Natürlich! Das wird wieder ein wunderschön-sonniger Pilcher-Film werden. In Wirklichkeit war's schon ziemlich kalt.

 

Was bedeutet Wien für Sie?

Ich liebe die Stadt sehr. Obwohl ich in Wirklichkeit, in Wien würde man sagen, eine Melange bin. Ich habe eine nieder-österreichische Mutter und einen Vater, der aus Pommern stammt. Diese Mischung quer durch Mitteleuropa finde ich wunderbar.

 

Doch noch einmal gefragt: Was ist das spezifisch Österreichische, das Ihnen so gefällt?

Vielleicht verschlafen die Wiener einiges, was anderswo auf der Straße durchgesetzt würde. Es ist schon eine ziemlich südliche Mentalität...

 

Entschleunigung? 

Genau das.

 

Offenbar ein Gegenpol zu Ihren vielen Aktivitäten. Zu denen zählt auch Ihre Arbeit für den Modespezialisten Gelco, ein Familienunternehmen. Haben Sie dazu eine Beziehung? Ja, absolut. Ich kam in eine Familie hinein. In ein mittelständisches Unternehmen. Deswegen gehe ich auch gern zu den Einzelhändlern wie etwa hier in Schleswig.

 

Und die Produkte selber?

Ich mag die. Das muss auch so sein. Ich kann nicht für etwas Werbung machen

und in Wirklichkeit sagen: Um Gottes Willen! Hier ist es umgekehrt: Ich kann die Kleidung selber tragen, tue das auch und mische sie mit meinen persönlichen Geschmacksrichtungen.

 

Aber warum dann eine Modenschau?

Es ist etwas anderes, wenn man schöne Dinge an einem Körper sieht als auf der Stange. Wir haben auch keine dürren Models, sondern, wie mich, Frauen im mittleren Alter.

 

Andere Frage, anderes Engagement von Ihnen. Wie steht es um Ihre sozialen Aktivitäten? 

Ich kümmere mich nach wie vor um ein SOS-Kindcrdorf. in Ungarn, und habe dort auch ein Patenkind, den Joschi, der ist so alt wie mein Sohn. Ich wollte ein Patenkind haben, das in der Nähe von mir ist.

 

Dann sind Sie noch mit der Krebs-Nachsorge verbunden.

Die hat mein Vater mal ins Leben gerufen, in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. Dort können sich Kinder mit ihrer Familie vier Wochen lang erholen und werden dabei hervorragend therapeutisch betreut.

 

Ist das aus der damaligen Arbeit an der TV-Serie „Schwarzwaldklinik" herausgewachsen?

Ja, das hat mein Vater angeschoben.

Und so versteh ich das auch: Wenn man sich über Jahre einen Namen erarbeitet hat, dann hat man auch die Verpflichtung, diesen Namen einzusetzen, in die Öffentlichkeit zu gehen und dafür einzustehen. 

 

Jetzt die unvermeidliche Frage: Denken Sie noch oft an „Elke", Ihre eigene Rolle in der TV-Serie? (Lacht) Ich denke oft an Elke. Ich habe mit ihr keine Probleme. Denn sie war ja meine Erfindung für das deutsche Fernsehen. Die Rolle war so klein, dass ich darüber gut in andere Rollen wachsen konnte. Ich konnte meine Karrierepläne ruhig und stetig durchziehen.

 

Frau Wussow, wenn ich Sie so lebhaft, aber auch nachdenklich erlebe, wenn ich Ihr Herkommen und Ihr Selbstverständnis betrachte, dann wundert mich doch eins: Dass Sie sich nicht scheuen, immer wieder in der doch sehr speziellen Öffentlichkeit der "Gelben Blätter" aufzutauchen.  

Aber das gehört doch dazu - solange gewisse Grenzen des Geschmacks eingehalten werden! Wir Schauspieler suchen doch das Rampenlicht, auch wenn es manchmal grell ist. Alles andere wäre unehrlich.